Hinter den Kulissen des energieeffizienten Kyklos-Gebäudes auf Grundstück 48 in Belval

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Auf dem zukünftigen Place des Bassins der Square Mile in Belval wird bald das ikonische Kyklos-Gebäude stehen, das ganz von Kurven und Sinnlichkeit geprägt ist. Unser Ziel ist es, anhand von Interviews, Dokumenten und Modellen die Prinzipien der Nachhaltigkeit, des Energiekonzepts und der unverwechselbaren Architektur zu verstehen, die bei der Planung dieses Gebäudes, das bald stolz auf Grundstück 48 aufragen soll, eine Rolle gespielt haben. „Bei diesem allerletzten Grundstück, das in Belval auf den Weg gebracht wurde, wird Kyklos der Blickfang der gesamten Fußgängerzone sein und wir wollten eine starke architektonische Handschrift“, erklären Zahira Malyani, Stadtplanerin und Projektleiterin, und Jean-Xavier Foidart, Leiter Stadtentwicklung.

Es war einmal ein Grundstück 48

Am Anfang war ein Grundstück. Auf den Bebauungsplänen des Viertels war es das „Grundstück 48“. Eine Nummer wie jede andere auf der kurzen Liste der noch verfügbaren Grundstücke in Belval – aber sie würde bald einen großen architektonischen Traum hervorbringen. Seine zentrale Lage im Viertel veranlasste AGORA, sich bereits bei der Ausarbeitung des Masterplans eine „ikonische Architektur“ vorzustellen, die ein „technologisches Schaufenster in Sachen Nachhaltigkeit“ sein könnte.

Das sind die Worte von Jean-Xavier Foidart. In seinem Büro bei AGORA in der Avenue du Rock’n’Roll in Belval entfaltet er für uns die Broschüre, die vor einigen Monaten an Bauträger geschickt wurde, um ihnen dieses große Projekt vorzustellen. Die Hauptprinzipien des endgültigen architektonischen Entwurfs von HYP Architects und UNstudio, den Gewinnern des internationalen Wettbewerbs, der von AGORA und dem ausgewählten Bauträger Atenor in Zusammenarbeit mit ARHS DEVELOPMENTS (dessen Büros das Gebäude belegen werden) ausgeschrieben wurde, sind hier bereits nachzulesen.

„Kyklos ist die Gelegenheit, eine ikonische Architektur zu entwerfen, die sich über Konventionen hinwegsetzt. Ein markanter Look, der die Kühnheit und den innovativen Charakter des Erwerbers verkörpert. Weil es für das Klima so dringend notwendig ist, wird Kyklos auch ein Schaufenster für die neuesten Trends im Bereich nachhaltiger Stadtentwicklung und gesunden Bauens sein.“

So verlangte AGORA im Anforderungskatalog, dass das Kyklos-Gebäude „den Prinzipien der neuen europäischen grünen Taxonomie entspricht“, fügt Zahira Malyani hinzu.
Was bedeutet das? Die Taxonomie ist so etwas wie der Umweltkompass der Europäischen Union. Um uns die Ziele genau zu erklären, schlägt der AGORA-Stadtplaner das Amtsblatt der Europäischen Union1 vom 26. Juni 2020 auf und liest uns Auszüge aus der Verordnung vor, in denen die gewünschten Maßnahmen detailliert aufgeführt sind.

„Die Umweltziele, welche diese Verordnung abdecken sollte, lauten: [incluent] Klimaschutz, Anpassung an den Klimawandel, Übergang zu einer Kreislaufwirtschaft, Vermeidung und Verminderung der Umweltverschmutzung. Eine Wirtschaftstätigkeit, mit der das Umweltziel des Klimaschutzes verfolgt wird, sollte wesentlich dazu beitragen, die Treibhausgasemissionen zu stabilisieren, zu verringern und zu vermeiden.“

– Seite 17 des Amtsblatt der Europäischen Union vom 26. Juni 2020 1

Und Kyklos hält sich auch an die Grundsätze der Stadtentwicklung des „neuen europäischen Bauhauses2“2 die einerseits „Nachhaltigkeit von Klimazielen bis hin zu Zirkularität und Biodiversität“ und andererseits „Ästhetik, d. h. Lebensqualität und Stil über die Funktionalität hinaus“ sowie „Inklusion, einschließlich Zugänglichkeit und Erschwinglichkeit“ fordern.

Ein edles geschwungenes Design

Auf Jean-Xaviers Schreibtisch ziehen die 3D-Modelle des Kyklos-Projekts unsere Aufmerksamkeit auf sich. Das Projekt des achtstöckigen Gebäudes ist mehrdimensional, aber zuerst fällt seine Ästhetik mit den abgerundeten Linien ins Auge. Eingerahmt von Holz und Glas, besticht das Kyklos-Gebäude durch seine kurvige Geometrie, die die endlosen Schleifen des benachbarten Place des Bassins widerspiegelt. Zahira Malyani spart nicht mit Lob für diesen einzigartigen Entwurf.

„Als wir die ersten Bilder sahen, fanden wir es sofort wunderbar. Es war ein sofortiger Wow-Effekt! Das Erdgeschoss und die ersten drei Stockwerke bilden an der südöstlichen Ecke einen ersten verglasten und abgerundeten Kern. Durch die glitzernden Glasfenster sind auch Holztreppen mit leicht abgerundeten Strukturen zu sehen. Über diesen Etagen erheben such vier weitere Etagen, die klassischer und gerader sind. Im obersten Stockwerk befindet sich eine große, nach Süden ausgerichtete Dachterrasse. Ein großer Teil dieser Etage wird begrünt. Von dort aus genießt man eine wunderschöne Aussicht auf Belval! »

– Zahira Malyani, Projektleiterin Stadtplanung, AGORA

Nach einem internationalen Architekturwettbewerb, der von den Architekten große Kreativität forderte, um ein Gebäude von besonderer Bedeutung zu entwerfen, legten die Teams von HYP Architects und UNstudio einen kühnen Vorschlag vor und überzeugten das Auswahlkomitee, das aus Vertretern der drei Partnergesellschaften Atenor, ARHS und AGORA bestand.

Ein Novum: Bevor das Komitee seine Beratungen aufnahm, wurde es von einer Expertenkommission beraten, die jedes Projekt bewertete. „In der Kommission saßen je ein Experte für Architektur, für Stadtplanung, für nachhaltige Entwicklung, für BIM und Bauökonomie, ein Experte aus der Gemeindeverwaltung von Sanem und einer von ArcelorMittal“, betont Jean-Xavier Foidart.

Für den Wettbewerb gingen 29 Bewerbungen ein, aber nur drei wurden auf die „Shortlist“ gesetzt, um ein optimales Engagement der Architekten in den letzten Phasen des Verfahrens zu gewährleisten.

Nachhaltiges Bauen, Zirkularität und energieeffizientes Design

Im zukünftigen Kyklos-Gebäude wird Ästhetik auf natürliche Weise mit ökologischer Verantwortung einhergehen. Unter anderem dank eines intelligenten Energiekonzepts: Der architektonische Entwurf beinhaltet Photovoltaikanlagen zur Stromerzeugung und eine effiziente Isolierung zur Senkung des Energieverbrauchs. Dies ist auch das Ergebnis von Überlegungen zu langfristig nachhaltiger Inneneinrichtung. Und vor allem wurde es auf der Grundlage einer gründlichen Analyse der Fassaden konzipiert, um die Sonneneinstrahlung zu optimieren und den Energieverbrauch zu minimieren. Um uns alles zu erklären, schaltet Jean-Xavier Foidart den Bildschirm seines Computers ein und zoomt auf die BIM-Modelle.

„Unsere Sonnen- und Schattenstudien haben uns überzeugt, dass wir verschiedene Fassaden unterschiedlich behandeln mussten. Ziel ist es beispielsweise, eine zu starke Sonneneinstrahlung im Sommer zu vermeiden, die zu einem übermäßigen Energieverbrauch für Klimaanlagen führen könnte, und gleichzeitig den Einfall von Licht und natürlicher Wärme im Winter zu maximieren, oder auch die Beschattung für einen optimalen Lichtkomfort je nach Nord- oder Südausrichtung zu dosieren. Die Ringe, die auf einer Seite des Gebäudes zu sehen sind, wurden in Breite, Neigung und Position so berechnet, dass sie über das Jahr hinweg für maximalen Schatten sorgen. Es wurden auch vertikale Schatten berücksichtigt, die durch den Lauf der Sonne während des Tages entstehen! »

– Jean-Xavier Foidart, Leiter Stadtentwicklung, AGORA

Es versteht sich von selbst, dass während der gesamten Bauphase des Gebäudes auf die Gebote der Zirkularität und der Auswahl von Materialien, die den CO2-Fußabdruck verringern, geachtet wird. „Der Bau wird durch die Verwendung von kohlenstofffreiem und recyceltem Stahl und den Vorrang von kurzen Wegen zur Minimierung von Transportemissionen einen geringeren CO2-Fußabdruck haben“, erklärt Zahira Malyani. Auch die Verwendung von grüner Energie bei der Stahlproduktion ist vorgesehen.“

Und um all dies zu koordinieren, wurde das BIM-Verfahren für eine effektive Zusammenarbeit bereits in den ersten Phasen der Überlegungen befolgt. Schon jetzt wimmelt es im kompletten BIM-Modell der Anlage nur so von Daten. Klar: In dem neuartigen Kontext der Zusammenarbeit zwischen AGORA und seinen Partnern ist dies notwendig. In jeder Phase des Projekts wurden alle Entscheidungen gemeinsam getroffen.

In den Entwurf des Kyklos-Gebäudes sind die Komponenten architektonischer Originalität, Nachhaltigkeit und Einzigartigkeit des trilateralen Kooperationsprozesses eingeflossen. Ein ikonisches Bauwerk, das der Stolz von Belval auf der Square Mile sein wird.

1 Amtsblatt der Europäischen Union

2Europäisches Bauhaus

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