AGORA – Fonds Belval: „Was neue Projekte angeht, haben wir noch einiges zu bieten! “
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Fonds Belval: „Was neue Projekte angeht, haben wir noch einiges zu bieten! “

27 Hektar des Gebiets von Belval sind staatliches Eigentum. Für die entsprechende Entwicklung ist der Fonds Belval zuständig. In den letzten 20 Jahren hat dieser bereits mehr als 290.000 m2 gebaut und 1 Milliarde Euro investiert. Architektin Daniela Di Santo, die neue Direktorin des Fonds Belval, erzählt uns von diesem aufregenden Abenteuer der Stadtplanung.

Der Fonds Belval wurde im Jahr 2002 als staatliche Einrichtung gegründet, die für die Entwicklung der öffentlichen Bereiche des Standorts Belval verantwortlich ist. Universität, Gymnasium, Forschungslabore, kulturelle Räume, Veranstaltungsorte, Kulturerbe…: Seit 20 Jahren sind Architekten und Ingenieure damit beschäftigt, auf der ehemaligen Industriebrache öffentliche Anlagen und Gebäude zu errichten.

Die italienische Architektin Daniela Di Santo ist seit 2021 Direktorin des Fonds Belval und erzählt uns von den Problemen, Herausforderungen und Perspektiven eines solchen Stadtplanungsprojekts.

Hallo, Daniela. Könnten Sie uns zunächst einmal die wesentliche Mission des Fonds Belval erläutern und uns erklären, inwiefern sich diese von der Mission von AGORA unterscheidet?

Daniela Di Santo: Unsere Aufgabe ist es, den Bau von Infrastrukturen und öffentlichen Einrichtungen in Belval zu planen. In Ergänzung zu AGORA, die für die städtebauliche Planung, den Bau der Infrastruktur und die Erschließung des Geländes sowie die Entwicklung privater Programme verantwortlich ist, entwickelt der Fonds Belval die Grundstücke, die dem luxemburgischen Staat gehören. Dies entspricht einer Fläche von etwa 27 Hektar von den 120 Hektar, die das ehemalige Brachland umfasst.

Seit 2015 sind wir übrigens auch verantwortlich für die Verwaltung der errichteten Infrastrukturen und Gebäude. Das bedeutet, dass wir all diese Anlagen, die wir in den letzten 20 Jahren gebaut haben, auch instandsetzen, modernisieren und an neue Gegebenheiten anpassen. Das ist eine enorme Aufgabe, die den Fonds Belval und seine rund fünfzig Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter langfristig in Beschlag nehmen wird.

Kommen wir noch einmal zu den Ursprüngen zurück… Welches Gebäude hat der Fonds Belval als erstes realisiert? Wie sind Ihre Erinnerungen daran?

Unser erstes Projekt war die mittlerweile berühmte Rockhal, das Centre de Musiques Amplifiées. Das war ein wichtiges Projekt, denn Luxemburg hatte bis zu diesem Zeitpunkt landesweit noch keinen Veranstaltungsort dieser Größenordnung.

Ich erinnere mich noch daran, dass die Eröffnung im Jahr 2005 eine sehr symbolische Angelegenheit war: Damals luden wir zum ersten Mal die Öffentlichkeit nach Belval ein, obwohl der Standort eigentlich noch eine riesige Baustelle war!

Das erste Konzert in der Rockhal der britischen Band The Prodigy wird allen wohl für immer in Erinnerung bleiben.

Das war vor fast 17 Jahren… Was ist seitdem alles passiert?

Natürlich war der Fonds Belval in der Zwischenzeit nicht untätig: Mittlerweile haben wir schon fast 20 Gebäude fertiggestellt! Darauf sind wir sehr stolz. Insgesamt macht das eine Fläche von rund 290.000 m2 und Gesamtinvestitionen in Höhe von 1 Milliarde Euro aus.

An welchen Orten in Belval ist der Fonds in besonderem Maße in Erscheinung getreten?

Der prominenteste Ort, der vom Fonds Belval entwickelt wurde, ist ohne Zweifel die Hochofenterrasse. Dabei handelt es sich um ein Gebiet von 16 Hektar, in dem wir die Cité des Sciences erschaffen haben, einen Komplex, der verschiedenste Aktivitäten und Nutzergruppen rund um Forschung und Innovation vereint. Hier finden sich beispielsweise die Universität Luxemburg, öffentliche Verwaltungseinrichtungen oder auch das Luxembourg Institute of Science and Technology (LIST).

Auch die Hochofenterrasse ist ja ein Kulturerbe…

Ja, wie der Name schon sagt, erheben sich dort die Hochöfen des ehemaligen Industriestandorts, die die Erinnerung an die Geschichte Belvals hochhalten und als Symbol für die industrielle Vergangenheit stehen. Für den Fonds Belval war es daher eine Selbstverständlichkeit, dieses Industrieerbe in die Entwicklung des Standorts zu integrieren.

Das Ziel war es, die Überreste der Vergangenheit zu bewahren, ohne das Ganze in ein Museum zu verwandeln. Bei diesem Projekt haben uns einige wirkliche Größen unserer Zeit unterstützt, wie der deutsche Designer Ingo Maurer für das Lichtkonzept oder der Architekt Michel Desvigne für die landschaftliche Gestaltung. Das Ergebnis kann sich meiner Ansicht nach sehen lassen!

Die Verbindung von Industrieerbe und zeitgenössischer Kultur steht übrigens auch 2022 auf dem Programm, mit Esch als Europäischer Kulturhauptstadt. Welche Rolle spielt der Fonds Belval in diesem Rahmen genau?

Eine immense! Der Fonds Belval ist Gastgeber dieser wichtigen und wunderbaren Veranstaltung hier am Standort. Genau genommen besteht unsere Rolle darin, geeignete Flächen und Räume und hochwertiges Equipment für die geplanten Veranstaltungen zur Verfügung zu stellen.

Zwei Gebäude sind schon fertig:

  • Ein nachhaltiger Turm, der speziell für diesen Anlass errichtet wird und der Sitz von Esch 2022 wird. Er verkörpert die Architektur des 20. Jahrhunderts: Er ist modular aufgebaut, verfügt über eigene Möglichkeiten zur Energiegewinnung und lässt sich sogar versetzen.
  • Auch der Pavillon Skip, ein elegantes Konferenz- und Ausstellungsgebäude, steht bereits. Der Pavillon ist zwar schon rund 15 Jahre alt, zeigt aber keinerlei Alterserscheinungen und konnte aufgrund seiner besonderen Bauweise demontiert und mitten im Herzen von Belval wieder aufgestellt werden.

Und dann ist da noch die Möllerei, ein ehemaliges Erzlager, das bereits renoviert wurde und der Universität als Bibliothek (Luxembourg Learning Centre) dienen soll. Das letzte Drittel wurde gerade fertiggestellt. Nicht zu vergessen das Massenoire-Gebäude, ein technischer Bau, dessen Fertigstellung für den Februar vorgesehen ist. Auch diese beiden Gebäude werden 2022 im Dienste der Kultur und der Kulturhauptstadt Esch stehen.

Dann sprechen wir doch gleich über langfristige Entwicklungen… Hat der Fonds Belval noch weitere große Projekte in der Pipeline?

Absolut. Wir planen immer wieder Neues. Das nächste große Projekt werden die nationalen Archive sein. Es sollen die ersten energiepositiven Gebäude werden, die der Fonds Belval baut! Sie werden also im Jahr weniger Energie verbrauchen als sie produzieren.

Und es steht noch mehr an: ein Sportzentrum im Park Belval, eine europäische Schule neben dem Lycée, aber auch Wohngebäude. Insbesondere vier Wohntürme, die aus architektonischer Sicht eine besondere Meisterleistung werden: Sie sollen 39 Meter hoch sein und komplett aus Holz bestehen. Dort sollen Familien, aber auch Studierende einziehen.

Und bei alldem haben wir erst die Hälfte der Gesamtinvestitionen erreicht. Wir verfügen immer noch über fast 800 Millionen Euro für zukünftige Projekte. Was das angeht, hat der Fonds Belval also noch einiges zu bieten!

Die Reihe "REGARDS CROISES" von AGORA erzählt die Entstehungsgeschichte eines Projekts.

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